Vor Kurzem erschien an dieser Stelle ein Artikel über die digitale Inklusion im Bildungswesen. Hier diskutieren wir das Thema nun mit Blick auf einen Arbeitsplatz mit Michelle Arentz, Beraterin für Lernen und Entwicklung. 

Wie sehen Sie die digitale Inklusion am Arbeitsplatz?

Bei der digitalen Inklusion, kurz DI, geht es darum, die Vorteile digitaler Technologien für alle verfügbar zu machen. Mitarbeiter wie auch Schüler und Studierende brauchen ein gesundes digitales Ökosystem, in dem sie funktionieren und gedeihen können. Wir leben jetzt seit über einem Jahr in der COVID-19-Pandemie und allmählich verzieht sich der Rauch, der bei den umfangreichen Umstellungen entstanden ist, die viele Unternehmen bei der Einrichtung von Homeoffice usw. vollziehen mussten. Was dabei zum Vorschein kommt, ist ermutigend und besorgniserregend zugleich.

Interessant. Was ist in Ihren Augen ermutigend?

Ich glaube, es ist uns gelungen, zu zeigen, dass mit Technologie viel mehr möglich ist, als wir geglaubt haben oder glauben wollten. Die Pandemie hat neue Spielregeln geschaffen und viel mehr Menschen als bisher können von zu Hause aus arbeiten. Die Produktivität hat in vielen Fällen zugenommen und für viele ist die zuvor bereits vielfach geforderte größere Flexibilität bei der Arbeitseinteilung Realität geworden. Es war und ist nach wie vor möglich, die anfallende Arbeit zu erledigen. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass viele Unternehmen dieses Mehr an Flexibilität für ihre Mitarbeiter beibehalten werden, wenn alles vorüber ist. 

Und die besorgniserregenden Aspekte?

Nun, da gibt es Einiges, das noch verbessert werden kann. Für Berufsanfänger gab es vor allem besser bezahlte und exklusivere Homeoffice-Angebote. Arbeitgeber aus der Privatwirtschaft konnten dank der verfügbaren Mittel diese Möglichkeit öfter anbieten als öffentliche Stellen. Auch die Rasse spielte eine Rolle, denn sie ist häufig mit einem Bildungsstand, einer Berufskategorie, einem Einkommensniveau und anderen Faktoren verbunden, die keinen Hochschulabschluss erfordern. Dadurch ergibt sich ein Ausschluss aus der digitalen Wirtschaft, die es anderen ermöglicht, zu Hause zu bleiben und sich nicht mit dem Virus zu infizieren.

Aber auch diejenigen, die in den Genuss des Homeoffice kommen, haben nicht alle den gleichen Zugang zu den Technologien bzw. wissen nicht alle, wie diese effektiv eingesetzt werden können. Viele Schüler und Studierende, aber auch viele Beschäftigte, hatten mit dem Umstieg auf Online-Lernen und virtuelle Räume zu kämpfen. Wenn der Kontext, in dem wir normalerweise tätig sind, fehlt (mehrere Personen im gleichen Raum, Signale durch Körpersprache, Klang, Ausdrucksweise usw.), muss dies durch Mehrarbeit ausgeglichen werden und die Frustrationsgefahr steigt.

Es gab ja tatsächlich viel Aufregung um die Zoom-Müdigkeit und andere Probleme im Homeoffice. Meinen Sie das?

Ja, aber auch andere Aspekte. Wie im ReadSpeaker-Artikel über DI im Bildungswesen bereits erwähnt, mangelt es Menschen, die in digitaler Hinsicht ausgeschlossen sind, an Kompetenzen, Vertrauen und Motivation und sie haben keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu Geräten und Verbindungen, die im globalen Wettbewerb heute notwendig sind. Natürlich gibt es auch Berufe, in denen eine Tätigkeit im Homeoffice unter keinen Umständen möglich ist, etwa Friseure oder Kellner. Wie viele aber zu gewissen Änderungen bereit gewesen wären, wenn nur die richtige Technologie und eine entsprechende Schulung verfügbar gewesen wäre, kann man nur mutmaßen. In der aktuellen Situation ist es für alle nachteilig, wenn Beschäftigte nicht genügend Kompetenzen und keinen Zugang haben, ganz egal, ob sie zu Hause arbeiten oder nicht.

Wie können solche Lücken geschlossen werden?

Ich komme noch einmal auf den Beitrag zum Bildungswesen zurück. Wenn Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben möchten, müssen sich die digitale Inklusion und damit die soziale Unternehmensverantwortung mit dem technologischen Fortschritt entwickeln. Die Organisationen müssen über gezielte Strategien verfügen und Investitionen tätigen, um institutionelle und strukturelle Barrieren beim Zugang zu Technologien zu beseitigen. Wenn das Bildungswesen DI nicht gewährleisten kann, muss die Wirtschaft diese Lücke schließen. Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass alle Beschäftigten über die technologischen Fähigkeiten verfügen, die sie bei ihrer Arbeit brauchen, und man kann es auch nicht jedem Einzelnen überlassen, sich selbst darum zu kümmern.  

Clevere Unternehmen sind der Entwicklung voraus, indem sie eine langfristige Vision und Strategie für digitale Fähigkeiten und die kontinuierliche Schulung und Motivation ihrer Mitarbeiter entwickeln. Solche Unternehmen kümmern sich dann auch ganz allgemein um das Thema Inklusivität, denn eine Belegschaft, die die Diversität in der Gesellschaft widerspiegelt, ist ein todsicherer Weg, Kunden zu gewinnen und zu behalten.

Guter Punkt – die digitale Inklusion für mehr soziale Unternehmensverantwortung ist also Teil eines großen Ganzen.

Genau. Wenn die Wirtschaft ihre Aktivitäten wieder aufnimmt und sich erholt, und das wird sie, wird ein Kampf um qualifizierte Kräfte ausbrechen. Warum sollte man dann nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen? Es ist doch klar, dass Diversität zu besseren Geschäftsergebnissen führt, und die Definition von Diversität geht inzwischen weit über die offensichtlichen Faktoren wie Geschlecht oder Rasse hinaus. Wenn dafür gesorgt wird, dass alle über die Mittel verfügen, sich bei der Arbeit stärker zu engagieren, wird ihr Potenzial für Kreativität, Innovationen und anstehende Herausforderungen genutzt. Fazit: Die digitale Inklusion als Teil der sozialen Unternehmensverantwortung wird bisher unterschätzt, ist aber ein wesentlicher Teil der Diversität. Unternehmen sollten sie nutzen, um so ihre Ergebnisse zu optimieren. Darum geht es schließlich.

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Quellen:

Wie viele Menschen arbeiten im Homeoffice? | Weltwirtschaftsforum (weforum.org)

Homeoffice-Statistiken für 2020 (Produktivität, Einkommen, Trends) (review42.com)

Warum der wirtschaftliche Nutzen der Diversität so groß ist | Weltwirtschaftsforum (weforum.org)

Über Michelle Arentz

Photo of Michelle Arentz

Michelle verfügt über Abschlüsse in Kommunikationswissenschaften und Pädagogik. Das Lernen war immer ein fester Bestandteil ihres Lebens und ist für sie mehr Berufung als nur ein Beruf. In ihrer über 20jährigen Karriere war sie unter anderem im Bereich Corporate Learning und Entwicklung und im öffentlichen Bildungswesen tätig. Viele Jahre lang hat sie sich mit der Entwicklung und Umsetzung von Inhalten, Kursen und Programmen befasst. Michelle ist davon überzeugt, dass Lernen Spaß machen und sinnvoll sein sollte. Mit ihrer Begeisterung für die Materie hat sie im In- und Ausland bereits zahlreiche Zielgruppen erreicht: von Hochschulstudenten über Fertigungsarbeiter bis hin zu Unternehmensleitern. Inzwischen arbeitet Michelle als unabhängige Beraterin und Instruktionsdesignerin und stellt ihre Kompetenzen und ihre Leidenschaft für die Weiterentwicklung von Fähigkeiten und Wissen in den Dienst von Kunden, die den Prozess des lebenslangen Lernens für sich selbst und ihre Mitarbeiter optimieren möchten.

Über Lazarus Learning

Lazarus Learning Logo

Lazarus Learning LLC ist aus Michelles Wunsch heraus entstanden, Lerninhalte zu neuem Leben zu erwecken. Dabei werden vorhandene Materialien genutzt oder ganz neue entworfen. Im Lauf der Jahre hatte sie nämlich festgestellt, dass zwar häufig umfangreiches Wissen und zahlreiche Kompetenzen vorhanden sind, diese sich aber in den Materialien nicht immer widerspiegeln. Durchdachte und ansprechende Lernmaterialien und Erfahrungen kommen allen zugute und Michelle ist entschlossen, die Welt durch Einsatz ihrer Talente in Lern- und Entwicklungsprojekten von geistlosen PowerPoint-Präsentationen zu befreien.