Die Theorie über Text-to-Speech-Technologie klingt durchdacht und praktisch, aber wie kommt sie bei den Schülern an? Storie Walsh, Leiterin für technische Unterrichtsmittel an der Virtual HighSchool, erklärt es Ihnen gerne. Die VHS besteht zu 100 % aus Onlineunterricht und wurde 1996 durch Fördermittel des Bildungsministeriums der US-Regierung ins Leben gerufen. Heute ist diese Schule eine gemeinnützige Organisation mit 10.000 Schülern in 32 US-Bundesstaaten mit 700 Mitgliedsschulen. Für die Kurse besteht eine Höchstgrenze von 25 Schülern pro Kurs. Beitretende Schulen erhalten die Möglichkeit, 25 Schüler kostenlos zu registrieren, sofern sie einen Lehrer zur Verfügung stellen, der einen Onlinekurs leitet. Die meisten Schüler belegen ein bis zwei Fächer online, entweder weil das Fach an ihrer Schule nicht angeboten wird oder um Überschneidungen auf dem Stundenplan zu vermeiden. Die VHS war zwar eine der ersten Schulen im Internet, dennoch stellt Walsh fest, dass sich die Arbeitsweise der Schule seither wenig verändert hat. „Sämtliche Kurse werden von einer Lehrperson geleitet. Es findet sehr viel Kommunikation zwischen den Schülern untereinander, aber auch zwischen dem Lehrer und den Schülern statt. Die Lehrer sagen, dass sie ihre Online-Schüler besser kennen als die Schüler aus dem Präsenzunterricht, weil sie mehr miteinander kommunizieren.“ „Es gehört zuunseren Kernaufgaben, zu gewährleisten, dass unser Unterricht sowohl reich an Multimedia-Angeboten ist als auch den Lernbedürfnissensämtlicher Schüler entspricht.“ An der VHS ist Teilnahme nicht gleich Anwesenheit, sondern bedeutet Aktivität in den Gesprächsgruppen sowie die Bearbeitung von Aufgaben. Um der Infragestellung der Effektivität von Onlineunterricht und MOOCs (Offene Onlinekurse für ein Massenpublikum) zu entgegnen, verweist Walsh mit Stolz darauf, dass mehr als 80 Prozent der Schüler an der VHS ihre Kurse erfolgreich abschließen. Im Jahr 2011 beschloss die Schule, Text-to-Speech-Technologie in einem Pilotversuch in sechs Fächern einzuführen, darunter Biotechnologie, Umweltwissenschaften und Philosophie. Die Änderung erfolgte aus zwei Gründen: In den Kursen mussten viele Texte gelesen werden und an einigen Kursen nahmen Schüler mit individualisierten Bildungsprogrammen teil. „Die Neuerung war sofort sehr erfolgreich“, sagt Walsh. Zwarnutzten nicht alle Schüler den Dienst, aber diejenigen, die ihn nutzten, wollten schon bald nicht mehr darauf verzichten. „Es gehört zu unseren Kernaufgaben, zu gewährleisten, dass unser Unterricht sowohl reich an Multimedia-Angeboten ist als auch den Lernbedürfnissen sämtlicher Schüler entspricht“, so Walsh weiter. „ReadSpeaker passte hervorragend, da wir dadurch allen unseren Schülern die Möglichkeit zur Sprachwiedergabe der Texte bieten können.“  

Steigende Nutzung

  Im Sommer 2013 entschied die VHS, Text-to-Speech-Technologie in der Mehrzahl der Kurse verfügbar zu machen, und zwar in ca. 200 von 220 insgesamt angebotenen Kursen. Aufgrund des technischen Fortschritts war es einfach, den Dienst in jedem Kurs anzubieten. Es hat nur 15 Sekunden gedauert“, sagt Walsh. Etwaige Veränderungen werden auf den Servern vorgenommen, sodass die Schule immer auf die aktuellste Version zugreifen kann. Die einzigen Kurse an der VHS, in denen der Dienst zurzeit noch nicht angeboten wird“, fügt sie hinzu, „sind die Sprachkurse.“ Sie hofft jedoch, dass diese Fächer in Zukunft ebenfalls darauf zurückgreifen werden können. Tatsächlich sind Fremdsprachenkurse einer der beliebtesten Anwendungsbereiche von ReadSpeaker“, meint Lovelace. „ReadSpeaker wird in 40 Sprachen angeboten, aber das ist noch nicht alles. Wir bieten in vielen Fällen auch verschiedene Akzente einer einzelnen Sprache an.“Für Englisch besteht zum Beispiel die Möglichkeit männliche und weibliche Stimmen mit britischem, australischem oder nordamerikanischem Akzent auszuwählen. Das Unternehmen bietet zudem sieben verschiedene Varietäten des Spanischen an. Im Unterschied zum Pilotversuch bot die VHS für den neuen Dienst keine Schulungen an und es wurde noch nicht einmal eine Ankündigung gemacht. Schüler wie Lehrer bemerkten es ganz von selbst, und nach einem Semester im Einsatz (in 162 Kursen) nutzten 82 % der Schüler den Dienst regelmäßig. Nach Beginn der Kurse versandte Walsh im Oktober eine Mitteilung, in der Schüler und Mitarbeiter auf die Text-to-Speech-Funktion aufmerksam gemacht wurden. Sie plant, am Ende des Schuljahrs 2013/14 in der jährlichen Umfrage der Schule Fragen zur Sprachwiedergabefunktion zu stellen. [enhancing_learning lang=de]