UDL in ILIAS: flexiblere Lernerlebnisse durch Text-to-Speech-Technologie
Erfahren Sie, wie ILIAS und die TTS-Technologie von ReadSpeaker gemeinsam flexiblere Lernerlebnisse schaffen – mit Einblicken der Universität Stuttgart.
Universal Design for Learning (UDL) 3.0 bietet ein Rahmenmodell, um Lernumgebungen an der Vielfalt der Lernenden auszurichten, statt von allen Lernenden zu verlangen, sich an dasselbe Lernerlebnis anzupassen.
Auf der ILIAS-Konferenz 2026 untersuchten Richard Powers von der Universität Stuttgart und Katrin Schramm von ReadSpeaker, wie UDL 3.0 im LMS ILIAS aussehen kann und wie Technologie dabei hilft, diese Prinzipien in die Praxis umzusetzen.
Ihr Ausgangspunkt war eine einfache Frage: Wer soll sich anpassen – die Lernenden oder das LMS?
Die Antwort hat Folgen, die über die Barrierefreiheit hinausgehen. Das LMS und das gesamte Lernerlebnis müssen sich an die Realität der Lernenden anpassen – an ihre unterschiedlichen Situationen, Vorlieben und Wege, auf Inhalte zuzugreifen.
UDL 3.0 verstehen
UDL 3.0 beruht auf dem Gedanken, dass die Vielfalt der Lernenden schon bei der Gestaltung von Lernumgebungen berücksichtigt werden sollte. Statt einen einzigen Standardweg zu schaffen und erst beim Auftreten von Barrieren Anpassungen hinzuzufügen, ermutigt UDL Lehrkräfte und Teams für Lerntechnologien, von vornherein mit Vielfalt zu rechnen und von Anfang an sinnvolle Optionen anzubieten.
Das Rahmenmodell umfasst drei Bereiche:
Engagement: Warum lerne ich, und wie kann ich motiviert bleiben?
Repräsentation: Wie kann ich auf die Informationen zugreifen und sie verstehen?
Handlung und Ausdruck: Wie kann ich mich beteiligen und zeigen, was ich weiß?
Es geht nicht darum, mehr Optionen nur um der Auswahl willen anzubieten, sondern darum, Lernenden gezielte Flexibilität und mehr Selbstbestimmung zu geben – bei gleichbleibenden Lernzielen.
(enlarge image)CAST (2024), Universal Design for Learning Guidelines Version 3.0, udlguidelines.cast.org.
ReadSpeaker wurde die Produktzertifizierung für Universal Design for Learning (UDL) von CAST (öffnet in einem neuen Tab) verliehen – der gemeinnützigen Bildungsorganisation, die das UDL-Rahmenmodell entwickelt hat. Diese Zertifizierung bestätigt, dass die Lösungen von ReadSpeaker gezielt darauf ausgelegt sind, Lernende in ihrer Vielfalt zu unterstützen und einen chancengerechten Zugang zum Lernen zu fördern.
Wie sieht UDL in ILIAS aus?
ILIAS bietet eine Umgebung, in der sich diese Prinzipien als fester Bestandteil des Lernerlebnisses selbst berücksichtigen lassen.
Ein an UDL orientierter Ansatz in ILIAS kann Folgendes umfassen:
Engagement: Wahlmöglichkeiten, Relevanz, Zusammenarbeit, Peer-Coaching, klare Erwartungen und Fortschritt
Repräsentation: sinnvolle Struktur, barrierefreie Texte, Überschriften, Alternativtexte und verschiedene Zugangswege zu Inhalten
Handlung und Ausdruck: Optionen für Beteiligung, Übung, Feedback und den Nachweis des Gelernten
Im Mittelpunkt steht die gezielte Flexibilität – nicht zusätzliche Arbeit oder mehr Optionen ohne klaren Nutzen für das Lernen.
So können verschiedene Zugangswege zu Inhalten einen Kurs beispielsweise flexibler machen, ohne zu verändern, was Lernende verstehen sollen. Dasselbe gilt dafür, wie Lernende sich mit Aktivitäten beschäftigen, mit anderen zusammenarbeiten, Feedback erhalten oder ihr Wissen zeigen.
Hier wird die Gestaltung des LMS wichtig. Wenn Lernende die Lernumgebung verlassen müssen, um die benötigten Werkzeuge zu finden, sinkt die Flexibilität des Lernerlebnisses. Stehen diese Optionen dagegen in der Umgebung zur Verfügung, die sie ohnehin nutzen, werden sie zu einem selbstverständlichen Teil des Lernalltags.
Text-to-Speech-Funktionen in ILIAS integrieren
Text-to-Speech-Technologie (TTS) ist ein Beispiel dafür, wie ein LMS Lernenden einen weiteren Weg bieten kann, auf Inhalte zuzugreifen und sich damit auseinanderzusetzen.
Wenn ReadSpeaker for Education in ILIAS integriert ist, können Lernende schriftliche Inhalte zusätzlich als Audio nutzen. Das ermöglicht multimodales Lernen, und Lernende können selbst wählen, wie sie mit den Kursmaterialien arbeiten.
Das kann in vielen verschiedenen Situationen hilfreich sein. Manche Lernende hören lieber zu und lesen dabei mit, nutzen Audio bei langen Dokumenten oder wechseln je nach Kontext zwischen Lesen und Zuhören.
Die Präsentation auf der ILIAS-Konferenz stellte mehrere Möglichkeiten vor, wie Lösungen von ReadSpeaker diesen Ansatz unterstützen können, darunter Audio mit synchroner Textmarkierung, anpassbare Leseoptionen sowie Online-Inhalte und Dokumente für die Sprachausgabe.
Wichtig ist: Die TTS-Funktion muss nicht nur als individuelle Anpassung für einzelne Lernende betrachtet werden. Ist sie Teil der Lernumgebung, kann sie zu einem weiteren Weg werden, über den Lernende auf dieselben Inhalte zugreifen.
Das steht in engem Zusammenhang mit dem UDL-Prinzip der Repräsentation: Lernenden sinnvolle Wege bieten, auf Informationen zuzugreifen und sie zu verstehen.
Die Bildungslösungen von ReadSpeaker können Lernende außerdem bei weiteren Anforderungen rund um Lesen, Schreiben und Lernen unterstützen. So erhalten sie mehr Möglichkeiten, entsprechend ihrer persönlichen Situation mit Inhalten zu arbeiten.
Ein UDL-Ansatz: von der Anpassung zur Prävention
Herkömmliche Anpassungen setzen oft erst ein, wenn eine Barriere einen Lernenden bereits beeinträchtigt hat: Eine Barriere tritt auf, der Lernende hat Schwierigkeiten, und eine Anpassung wird hinzugefügt.
Ein UDL-Ansatz setzt früher an: mit Vielfalt rechnen, Barrieren beseitigen, dann sinnvolle Optionen ergänzen.
Das bedeutet nicht, dass individuelle Anpassungen überflüssig werden, sondern dass sich manche Barrieren bereits durch die Gestaltung der Lernumgebung selbst angehen lassen.
Für ein Lernerlebnis auf Basis von ILIAS ergeben sich daraus praktische Fragen:
Können Lernende auf mehr als eine Weise auf wichtige Inhalte zugreifen?
Stehen Barrierefreiheitsfunktionen direkt im LMS zur Verfügung?
Können Lernende die Werkzeuge wählen, die in ihrer Situation am besten funktionieren?
Ermöglicht die Lernumgebung verschiedene Arten, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen?
Welche Barrieren lassen sich angehen, bevor Lernende um Unterstützung bitten müssen?
Diese Fragen verlagern den Schwerpunkt: weg von der Anpassung der Lernenden, hin zur Gestaltung einer Lernumgebung, die stärker auf ihre Vielfalt eingeht.
UDL in ILIAS in die Praxis umsetzen
Die Kombination von ILIAS und ReadSpeaker ist ein konkretes Beispiel dafür, wie UDL-Prinzipien Teil des alltäglichen Lernerlebnisses werden können.
Statt ein separates Werkzeug hinzuzufügen, das Lernende erst finden und öffnen müssen, lassen sich die Text-to-Speech-Werkzeuge von ReadSpeaker direkt in die ILIAS-Umgebung integrieren. So nutzen Lernende die TTS-Funktion als Teil der Inhalte, mit denen sie ohnehin arbeiten.
Für Bildungseinrichtungen, die UDL-Prinzipien in ILIAS einführen möchten, ist das ein praktischer Ausgangspunkt: Ermitteln Sie, wo Lernende auf Barrieren stoßen könnten, überlegen Sie, wo zusätzliche Wahlmöglichkeiten das Lernerlebnis verbessern würden, und suchen Sie nach Wegen, diese Optionen direkt in das LMS zu integrieren.
Das Ziel ist nicht, für jeden Lernenden ein eigenes Lernerlebnis zu schaffen.
Es geht vielmehr darum, eine ILIAS-Lernumgebung zu schaffen, die flexibel genug ist, um mehr Lernende innerhalb desselben Lernerlebnisses zu unterstützen. Gleichzeitig bietet sie ihnen sinnvolle Wahlmöglichkeiten, wie sie auf Inhalte zugreifen und sich damit auseinandersetzen.
Ein Praxisbeispiel aus der Universität Stuttgart
Die Universität Stuttgart bietet einen hilfreichen Rahmen, um zu erkunden, wie dieser Ansatz in der Praxis aussehen kann.
In ihrer Präsentation erläuterten Richard Powers und Katrin Schramm, wie ILIAS UDL-Prinzipien unterstützen kann, indem es barrierefreie Inhalte, sinnvolle Wahlmöglichkeiten und verschiedene Wege der Auseinandersetzung mit Lernmaterialien kombiniert. Dabei geht es nicht darum, mehr Arbeit oder mehr Optionen um ihrer selbst willen zu schaffen, sondern darum, eine Umgebung zu gestalten, in der Lernende gezielte Möglichkeiten haben, auf Lerninhalte zuzugreifen und sich damit auseinanderzusetzen.
Als Pädagoge, der mit angehenden Lehrern arbeitet, sehe ich in ReadSpeaker viel mehr als ein Werkzeug für Barrierefreiheit. Die Palette an Audio- und Übersetzungsfunktionen fördert inklusive Bildung, weil sie Lernenden mehr Flexibilität gibt, Inhalte wahrzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen. Viele Studenten profitieren vom Zuhören, weil es ihnen hilft, Barrieren beim Lesen zu überwinden. Andere verstehen und behalten Informationen besser, wenn sie gleichzeitig zuhören und mitlesen.
Für Lernende, die bei Materialien „nur aus Text“ auf Barrieren stoßen – und solche Materialien sind in ILIAS und heutigen LMS sehr verbreitet –, stärken diese Optionen die Eigenständigkeit und sorgen dafür, dass Lernen Spaß macht. Die Integration von ReadSpeaker in ILIAS gibt Lernenden deutlich mehr Selbstbestimmung bei der Wahl des Ansatzes, der für sie am besten funktioniert. So haben sie Erfolg, statt aufzugeben, weil ihre Lernvorlieben ignoriert werden.
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Richard J. Powers, Universität Stuttgart, Institut für Erziehungswissenschaft
Diese Sichtweise verweist auch auf eine größere Chance für Bildungseinrichtungen, die ILIAS nutzen: Barrierefreiheit und Flexibilität für Lernende müssen nicht außerhalb des eigentlichen Lernerlebnisses stehen. Sie können Teil davon sein, wie das LMS gestaltet und genutzt wird.
Die Integration von ReadSpeaker in ILIAS macht Text-to-Speech-Funktionen zu einem Teil dieser Umgebung. So können Bildungseinrichtungen Audio und multimodalen Zugang einführen, ohne dass Lernende zwischen verschiedenen Werkzeugen oder Plattformen wechseln müssen.
Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie sich ReadSpeaker in das ILIAS-Ökosystem integriert, um einen UDL-Ansatz zu unterstützen und das Lernerlebnis zu verbessern?
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